{"id":2076,"date":"2020-01-28T17:22:45","date_gmt":"2020-01-28T16:22:45","guid":{"rendered":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/?page_id=2076"},"modified":"2020-01-28T17:32:24","modified_gmt":"2020-01-28T16:32:24","slug":"stimme-zur-historischen-erwachsenenbildungsforschung_0","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/?page_id=2076","title":{"rendered":"Stimme zur historischen Erwachsenenbildungsforschung"},"content":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_column_text]<\/p>\n<p><strong>J\u00f6rg Dinkelaker (Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erinnerte Erwartungen<br \/>\nPl\u00e4doyer f\u00fcr eine Geschichte der Zukunft<\/strong><br \/>\nEine Stimme zur Geschichte der Erwachsenenbildung von J\u00f6rg Dinkelaker 1\/2020<\/p>\n<p>Erwachsenenbildung ist eine Praxis, die sich vermittels ihrer Zukunftsentw\u00fcrfe konstituiert. Sie ist ohne die Erwartung einer Zukunft nicht realisierbar, in der sie einst zu dem werden kann, was sie gegenw\u00e4rtig zu sein anstrebt (so bspw. bei Stephani 1813, Flittner 1920, Picht 1968, Tietgens\/Mertineit\/Sperling 1970, Faulstich-Wieland\/Nuissl\/Siebert\/Weinberg 1998, Kommission der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften 2000, Lassnig 2015). Schreitet die Zeit voran, kommt die Erwachsenenbildung aber nicht in dieser von ihr erwarteten Zukunft an, sondern sie findet sich in einer neuen Gegenwart wieder, die sich \u00fcber neue Zukunftserwartungen definiert.<\/p>\n<p>Die Frage, wie sich die Zukunftserwartungen der Gegenwart zu den Zuk\u00fcnften der Vergangenheit verhalten, wird dabei in der Regel vernachl\u00e4ssigt. Nur selten kommt es zur Kl\u00e4rung der Frage, was eigentlich aus den Zukunftserwartungen der Vergangenheit geworden ist. Bisweilen \u00e4hneln die vermeintlich neuen Erwartungen vielmehr verd\u00e4chtig den alten. Bisweilen geraten aber auch alte Zukunftsentw\u00fcrfe in Vergessenheit, obwohl ihnen eine Bedeutung f\u00fcr die Gegenwart zukommen w\u00fcrde. Ein bilanzierender Abgleich der Zukunft der Gegenwart mit den Zukunftsprojektionen der Vergangenheit wird dagegen nur in Ausnahmef\u00e4llen vorgenommen. So kann sich kein Bewusstsein f\u00fcr die Geschichtlichkeit von Zukunftserwartungen entwickeln.<\/p>\n<p>Nicht allein aus historischem Interesse, sondern zun\u00e4chst im Interesse einer gegenstandsangemessenen Theorie der Erwachsenenbildung m\u00f6chte ich daf\u00fcr pl\u00e4dieren, der Geschichte der Zukunft der Erwachsenenbildung mehr Beachtung zu schenken. Das w\u00fcrde bedeuten, dass bei historischen Analysen dezidiert nach den die vergangenen Situationen strukturierenden Zukunftsmodellen gefragt w\u00fcrde, und dass bei der Thematisierungen gegenw\u00e4rtiger Zukunftsvorstellungen dezidiert ihre Geschichte mit Untersuchung f\u00e4nde. Im historischen Vergleich unterschiedlicher Konstellationen der Erwachsenenbildungsgeschichte lie\u00dfe sich dann auch herausarbeiten, inwiefern und wie sich Erwachsenbildung als eine Praxis der Zukunftsgestaltung konstituiert (vgl. auch Sch\u00e4ffter 2012, Wittpoth 2001) und was dies f\u00fcr eine Theorie der (Geschichtlichkeit der) Erwachsenenbildung bedeutet. Anhand der Beitr\u00e4ge zur Jahrestagung der Sektion 2019 wurde f\u00fcr mich das \u2013 bislang uneingel\u00f6ste &#8211; Potential einer solchen Geschichte der Zukunft erkennbar.<\/p>\n<p>Die Arbeit an ihr w\u00fcrde Modelle der Zeitlichkeit voraussetzen, in denen die Vergangenheit nicht \u201eals Vorlauf der Gegenwart\u201c (H\u00f6lscher 2017) betrachtet und die Zukunft nicht als das verstanden wird, was sich im Anschluss an die Gegenwart ereignet. Vielmehr m\u00fcsste man davon auszugehen, dass jede Gegenwart (damit auch alle vergangenen und zuk\u00fcnftigen Gegenwarten) ihre eigene Vergangenheit, ihre eigene Gegenwart und eben auch ihre eigene Zukunft aufweist.<\/p>\n<p><strong><\/p>\n<p>Literatur<br \/><\/strong><br \/>\nH. Faulstich-Wieland\/E. Nuissl\/H. Siebert\/J. Weinberg (Hrsg.) (1998): Zukunft der Erwachsenenbildung: Visionen, Utopien, Szenarien. LITERATUR- UND FORSCHUNGSREPORT WEITERBILDUNG, Nr. 41.<\/p>\n<p>Flitner, W. (1929[1982]): Das Problem der Erwachsenenbildung. In: ders.: Erwachsenenbildung. Paderborn: Sch\u00f6ningh, S. 81-96.<\/p>\n<p>H\u00f6lscher, L. (Hg.) (2017): Die Zukunft des 20. Jahrhunderts. Dimensionen einer historischen Zukunftsforschung. Frankfurt a.M.\/New York: Campus, S. 179-220.<\/p>\n<p>Kommission der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften (2000): Memorandum \u00fcber lebenslanges Lernen. Br\u00fcssel.<\/p>\n<p>Lassnigg, Lorenz: Modernisierung, Reflexivit\u00e4t, Globalisierung. \u00dcberlegungen zur Zukunft der Theorie und Praxis von Erwachsenenbildung &#8211; In: Magazin Erwachsenenbildung.at (2015) 25, 13.<\/p>\n<p>Picht, G. (1968): Erwachsenenbildung \u2013 die gro\u00dfe Bildungsaufgabe der Zukunft. In: Merkur 22, H. 3, S. 193\u2013208.<\/p>\n<p>Sch\u00e4ffter, O. (2012): Lernen in \u00dcbergangszeiten. Zur Zukunftsorientierung von Weiterbildung in der Transformationsgesellschaft. In: Sabine Schmidt-Lauff (Hrsg.): Zeit und Bildung. Ann\u00e4herungen an eine zeittheoretische Grundlegung. M\u00fcnster: Waxmann, S.113-156.<\/p>\n<p>Stephani, H. (1813): System der \u00f6ffentlichen Erziehung. 2. Auflage. Erlangen: Palm.<\/p>\n<p>Tietgens, H.; Mertineit, W.; Sperling, D. (1970): Zukunftsperspektiven der Erwachsenenbildung. Braunschweig: Westermann.<\/p>\n<p>Wittpoth, J. (2001). Erwachsenenbildung und Zeitdiagnose: Theoriebeobachtungen. Bielefeld: Bertelsmann.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/?page_id=1792\">Zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\n J\u00f6rg Dinkelaker (Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg) Erinnerte Erwartungen Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Geschichte der Zukunft Eine Stimme zur Geschichte der Erwachsenenbildung von&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/?page_id=2076\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Stimme zur historischen Erwachsenenbildungsforschung&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3976,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2076"}],"collection":[{"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3976"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2076"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2076\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2091,"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2076\/revisions\/2091"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}