{"id":1981,"date":"2019-12-20T10:34:49","date_gmt":"2019-12-20T09:34:49","guid":{"rendered":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/?page_id=1981"},"modified":"2020-01-09T08:54:40","modified_gmt":"2020-01-09T07:54:40","slug":"stimme-zur-historischen-erwachsenenbildungsforschung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/?page_id=1981","title":{"rendered":"Stimme zur historischen Erwachsenenbildungsforschung"},"content":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_column_text]<\/p>\n<p><strong>Beatrix Niemeyer (Europa-Universit\u00e4t Flensburg)<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Sektionstagung in Halle hat mich die Frage nach \u201eden Frauen\u201c in der Geschichte der Erwachsenenbildung ebenso irritiert wie die simplifizierenden Antwortversuche, mit denen in der Diskussion jeweils darauf reagiert wurde. Diese Irritation nehme ich zum Anlass, meine \u00dcberlegungen dazu zu Geh\u00f6r zu bringen und ich freue mich sehr dar\u00fcber, dass die Veranstalter: innen mit diesem Format der \u201eStimmen\u201c die Gelegenheit dazu bieten.<\/p>\n<p>Warum sollten wir uns im Jahr 2019 (noch) \u00fcber den Anteil von Frauen an der Geschichte der (Disziplin) Erwachsenenbildung versichern? Welche Erkenntnisse sind von einer solchen historischen Vergewisserung zu erwarten, die \u00fcber eine quantitative und deskriptive Bilanzierung hinausweisen k\u00f6nnten?<\/p>\n<p>Wissenssoziologisch steht eine Materialsammlung am Anfang der Konturierung eines neuen Feldes. Die Bearbeitung bisher unbekannter Ph\u00e4nomene oder mit bisherigem Wissen nicht zu erkl\u00e4render Erscheinungen, beginnt mit der Sammlung von Beispielen, F\u00e4llen, Artefakten, deren vergleichende Analyse alsdann die Grundlage f\u00fcr Wissen schafft. Genderforschung macht dabei keine Ausnahme. Der Gr\u00fcndungsphase der heutigen Sektion Frauen- und Geschlechterforschung gingen zahlreiche Arbeiten zur historischen Frauenbildungsforschung voraus, mit denen die Beitr\u00e4ge von Frauen zur Geschichte von Bildung und Erziehung (oder deren Verhinderung) historisch belegt und rekonstruiert wurden (z. B. Kleinau\/Opitz 1996; Kleinau\/Mayer 1996) Dabei waren nicht wenige Frauen, deren Bildungspraxis als Beitrag zur Erwachsenenbildung gelesen werden konnte und kann (Niemeyer 1996; 2014).<\/p>\n<p>In der Folgezeit haben sich nach der Etablierung der eigenst\u00e4ndigen Sektion Frauen- und Geschlechterforschung Theorie und Empirie weiter ausdifferenziert. Nicht mehr die einzelne (weibliche) Person steht im Fokus der Betrachtung, vielmehr rahmen die Re\/Produktionsmechanismen von Geschlecht als sozialer Differenzkategorie in ihren vielf\u00e4ltigen Erscheinungsweisen und \u2013 orten das Forschungsfeld. Genderforschung hat sich als erziehungswissenschaftliche Teildisziplin etabliert. Vor diesem Hintergrund w\u00e4re aktuell also vielmehr zu fragen: warum wird in der aktuellen Erwachsenenbildungsforschung darauf kaum Bezug genommen? Wann und wieso ist der Faden einer genderorientierten Erwachsenenbildungsforschung abgerissen? Wieso haben sich Themensetzungen und Fragestellungen verschoben?<\/p>\n<p>Eine dezidiert auf die Beitr\u00e4ge von Frauen orientierte historische Forschung, die danach fragt, welche spezifischen Geschlechterverh\u00e4ltnisse Theorie und Praxis von Erwachsenenbildung pr\u00e4gen und auf welche Weise sie reproduziert werden, scheint mir allerdings weiterhin Desiderat. Sehr gern w\u00fcrde ich in einen Verst\u00e4ndigungsprozess dar\u00fcber eintreten, wie Genderkonstruktionen in der EB nicht nur als Repr\u00e4sentationen von Geschlecht in ihrer historischen Transformation zur Kenntnis zu bringen sind, sondern vielmehr auch dar\u00fcber, wie sie als <em>doing of social inequality<\/em> weiter bzw. wieder zu thematisieren sind.<\/p>\n<p>In der Folge habe ich nach Anschlussstellen im Memorandum zur historischen Erwachsenenbildungsforschung gesucht und dabei ganz allgemein den Eindruck gewonnen, dass die Perspektive auf Gender, d. h. die Mitber\u00fccksichtigung von Geschlecht als sozialer Differenzkategorie, kaum bedacht ist. Sie wirkt in alle der sechs definierten Forschungsfelder hinein, und verweist damit exemplarisch auf Querschnittsthemen, die mit der gew\u00e4hlten Systematik nicht oder unzureichend erfasst sind. Dazu geh\u00f6rt m. E. auch das Themenfeld der Internationalisierung\/Transnationalisierung und damit die historische Perspektive auf diejenigen sozialen und politischen Prozesse, die auf supra- und\/oder subnationaler Ebene Erwachsenenbildung hervorgebracht, gerahmt oder verhindert haben.<\/p>\n<p>Ich schlie\u00dfe darum mit einem Pl\u00e4doyer, die \u2013 wie mir scheint \u2013 im Memorandum etwas zaghaft angelegte sozialgeschichtliche Orientierung zu st\u00e4rken, um aus dem historischen Vergleich Orientierungswissen f\u00fcr aktuelle Herausforderungen zu generieren.<\/p>\n<p>Flensburg, 13. 12. 2019<\/p>\n<p>Beatrix Niemeyer<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/?page_id=1792\">Zur\u00fcck<\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\n Beatrix Niemeyer (Europa-Universit\u00e4t Flensburg) W\u00e4hrend der Sektionstagung in Halle hat mich die Frage nach \u201eden Frauen\u201c in der Geschichte&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/?page_id=1981\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Stimme zur historischen Erwachsenenbildungsforschung&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3976,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1981"}],"collection":[{"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3976"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1981"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1981\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2065,"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1981\/revisions\/2065"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/eb2019.paedagogik.uni-halle.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1981"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}